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DOPPEL-Mord
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Ab und zu
musste er einem Auto ausweichen, die Schleichwege wurden auch
sonntags genutzt. Aber bei der jetzt hereinbrechenden Dämmerung war
ihm die Strecke lieber als der Weg durch den Wald.
Hinter sich, noch weit entfernt, näherte sich wieder ein Fahrzeug.
Heckler wechselte ganz zum linken Rand des Weges. Das Fahrzeug kam
rasch näher. Die offensichtlich hohe Geschwindigkeit veranlasste
ihn, sich umzudrehen, als der Wagen ihn schon fast erreicht hatte.
Keine Sekunde zu früh! Das Auto schoss mit aufgeblendeten
Scheinwerfern direkt auf ihn zu. Ohne zu überlegen sprang er mit
einem Riesensatz kopfüber in das Gebüsch am Straßenrand. Er spürte
den Luftzug des knapp an ihm vorbeirasenden Wagens. Und er spürte
den Schmerz, als die Brombeersträucher am Straßenrand sein Gesicht
zerkratzten.
Die Wirkung des Adrenalinstoßes kam mit kurzer Verzögerung. Sein
Herzschlag jagte auf zweihundert hoch, im Magen entstand Druck, in
der Brust wurde es eng und der Schädel drohte zu zerspringen.
Heckler hatte das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Es dauerte einige
Minuten, bis der Aufruhr in seinem Körper sich ein wenig gelegt
hatte. Er rappelte sich hoch, befreite sich von den Dornenzweigen
und hockte sich erst einmal an den Wegesrand.
Und dann, wie zur Befreiung, brüllte und fluchte er dem Auto
hinterher, welches freilich längst verschwunden war. „Besoffenes
Arschloch“, war noch einer der mildesten Ausdrücke, die in diesem
Moment über seine Lippen kamen. Er saß da, zitterte heftig, vor
Wut und – zum ersten Mal seit langer Zeit – vor Angst.
Gerade als er sich einigermaßen gefangen hatte kam wieder ein
Fahrzeug, langsam, und hielt neben ihm an.
„Alles okay?“, hörte er eine Frauenstimme durch das
heruntergelassene Fenster. „Mein Gott, Sie sehen ja schlimm aus“

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