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DOPPEL-Mord
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Er fand
Kullmann in der Badewanne. Obwohl Heckler einiges gewohnt war, hatte
er das Gefühl, jeden Moment ohnmächtig zu werden. Das Badewasser
war tiefrot, ein Arm Kullmanns hing über den Wannenrand. Das Blut
aus den aufgeschnittenen Pulsadern hatte einen kleinen See vor der
Badewanne gebildet. Kullmanns Gesicht war kreideweiß, merkwürdig
verzerrt und unwirklich, sein Kopf hing zur linken Seite geneigt,
die Augen standen offen und vom Mundwinkel ging eine grünliche
Schleimspur über Kinn und Hals ins Wasser. Auf dem Wannenrand lag
eine Packung Tabletten und daneben ein halbleeres Rotweinglas - und
das blutverschmierte Rasiermesser.
Heckler fing an zu würgen und hastete zum Ausgang. Kurz vorher
holte ihn sein Verstand ein. Er blieb stehen und lauschte. Nichts
geschah, auch im Treppenhaus blieb alles ruhig.
Heckler zwang sich zur Ruhe, was angesichts eines Pulsschlages von
über einhundertachtzig schwierig war. Nach einiger Zeit ging er zurück
ins Bad, betrachtete den toten Kullmann mit großem Widerwillen und
fühlte das Badewasser. Es war eiskalt. Dann fasste er mit spitzen
Fingern Kullmanns Hand und stellte fest, dass sie ziemlich starr
war.
Der Tod musste also schon vor vielen Stunden eingetreten sein,
vielleicht sogar schon gestern.
„Klarer Fall von Selbstmord“, dachte Heckler und wurde langsam
ruhiger. Er wollte gerade den Telefonhörer abheben, als er
innehielt. Wenn Kullmann schon längere Zeit tot war, kam es jetzt
nicht auf zwanzig Minuten an.
Auch wenn Kullmann mausetot war, sah er in ihm immer noch den
Rivalen. Heckler beschloss, die Gelegenheit zu nutzen und sich ein
wenig umzusehen.
Dies war also Kullmanns Wohnung, nicht luxuriös, aber auch nicht
billig. Küche, Wohn-Esszimmer, eine Art Arbeitszimmer und
Schlafzimmer. Im Schlafzimmer sah Heckler, dass das Bett benutzt war
und dass es offensichtlich zwei Personen als Lager gedient hatte. Er
dachte an das Verschwinden von Annemarie Presser in der Apotheke und
hatte sofort die wildesten Phantasien. Hier war also das Liebesnest!
Die aufkeimende Eifersucht unterdrückte alle Vorsichtsmaßnahmen.
Heckler fing an herumzuwühlen, er wollte einen Beweis für das
perfide Verhalten Kullmanns. Im Schlafzimmer roch er das Aftershave,
welches er bereits kannte – jetzt war er sich sicher, dass
Kullmann sein Auto durchsucht hatte. Vermutlich auf der Suche nach
der braunen Flasche mit dem Rest der Medizin, der tödlichen
Mischung!

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